Workshops 11 bis 15

Auf dieser Seite sind die Workshopvorschläge 11 bis 15 beschrieben. Wenn Sie Ihre Stimme für einen der Vorschläge abgeben möchten, gehen Sie bitte zur Abstimmungseite.

11. Politische Partizipation im „islamistischen Herbst“

Die überraschenden gesellschaftlichen Umbrüche im arabischen Raum besiegelten bislang das Ende von drei despotischen Regimen und schafften neue politische Konstellationen. Inspiriert von den Ereignissen in Tunesien und dem Sturz von Zine El Abidine Ben Ali erhob sich in Massen eine nichtideologisierte Jugend auf den Straßen von Kairo und andernorts, um Demokratie, Freiheit und Schutz der Menschwürde zu fordern. Die von diesen jungen Menschen in Gang gesetzten demokratischen Transformationsprozesse bescherten jedoch den Islamisten historische Wahlsiege und anhaltende politische Vitalität. Islamistische Bewegungen sind nun nicht nur starke Akteure in den aktuellen Transformationsprozessen, vielmehr sind sie durch demokratische Wahlen unter hoher Volksbeteiligung legitimierte staatstragende politische Kräfte. Die Politische Geschicklichkeit islamistischer Bewegungen wurde durch verschiedene Ereignisse des letzten Jahres auf Probe gestellt. So sprach sich z.B. die der ägyptischen Muslimbruderschaft nahstehende „Partei für Freiheit und Gerechtigkeit (PFJ)“ für die politische Gleichstellung der koptischen Minderheit aus. Die tunesische Ennahda-Partei befürwortete ihrerseits die aktive Teilhabe von Frauen am politischen Geschehen und stellte sich als Garant für Religionsfreiheit dar. Durch diese und weitere Positionen wurden der Öffentlichkeit bislang unbekannte pragmatische Züge islamistischer Bewegungen vorgeführt. Der Workshop setzt sich mit der Frage auseinander, inwiefern sind islamistische Kräfte und Strukturen dazu bereit, bisherige antidemokratischen Haltungen aufzugeben und sich der Demokratie zu öffnen. Ist die Demokratie für Islamisten ein Mittel zum Zweck, um zunächst an die Macht zu kommen, um langfristig autokratisch zu regieren oder hat bei den Islamisten in Tunesien und Ägypten tatsächlich nach dem Sturz von despotischen Regimen ein Umdenken stattgefunden? Weiteres Ziel des Workshops ist es, aus der Flut an Informationen Wissen zu generieren und ein vertieftes Verständnis für die neue entstandene in sich stark widersprüchliche Orientierung islamistischer Bewegungen zu entwickeln.

Referent: Aladdin Sarhan, Wissenschaftlicher Referent, Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz und Lehrbeauftragter an den Universitäten Erfurt und Witten/Herdecke (www.sarhan-online.de)


12. Politischer Konsum als Chance und Herausforderung für den demokratischen Prozess

Problemlagen wie Klimawandel, Finanzmarktkrisen und weltweite Armut fordern das eingespielte Modell nationalstaatlicher Demokratie heraus. Vor diesem Hintergrund ist in den letzten Jahren eine Wiederbelebung des politischen Konsums als Form politischer Beteiligung zu verzeichnen. Ideale politische KonsumentInnen kaufen Bio-Lebensmittel aus der Region und tragen fair gehandelte und produzierte Kleidung. Ihre Konten liegen bei einer Bank, die nach strengen ethischen Kriterien operiert. Strom beziehen Sie nur von zertifizierten Öko-Anbietern und unterwegs sind vorzugsweise mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln usw. Auch wenn die meisten politischen KonsumentInnen wenig mit diesem Ideal zu tun haben, sondern nur partiell ihre gewohnten Lebensstil verändern, so fügt sich diese Form bürgerschaftlichen Engagements doch in den Trend zu indirekter und unkonventioneller Partizipation ein. Im Unterschied zu konventionellen Beteiligungsformen wie die Teilnahme an Wahlen oder der Mitgliedschaft in Parteien gehen Bürgerinnen und Bürger dabei nicht den direkten Weg einer Beeinflussung staatlicher Regulierungsprozesse. Vielmehr versuchen sie als MarktteilnehmerInnen, eine Veränderung globaler Ungleichgewichte zu erreichen. Über die Schaffung von alternativen Märkten und eines kritischen Konsumentenbewusstseins soll auf diese Weise Druck auf politische Prozesse ausgeübt werden. Galten politische KonsumentInnen früher als Randerscheinung („Öko-Ecke“), so sind sie heute vermehrt in der Mitte der Gesellschaft anzutreffen. Kennzeichnend sind dafür insbesondere neuere Projekte im Internet. So richten sich auf politischen Konsum spezialisierte Plattformen wie utopia.de oder Smartphone-Apps wie barcoo längst nicht mehr nur an hochgradig politisch interessierte Minderheiten, sondern adressieren explitzit den oder die DurchschnittsverbraucherIn. Gleichwohl zeigen aktuelle öffentliche Debatten, dass starke Vorbehalte und Widerstände gegen politischen Konsum bestehen. Ziel des Workshops ist es, die Chancen und Grenzen dieser politischen Beteiligungsform auf Grundlage neuester Forschungsergebnisse zu diskutieren. Ausgangspunkte stellen dabei folgende drei Fragekomplexe dar, die im Zusammenhang mit Diskussionen über politischen Konsum beständig wiederkehren: Inwieweit ist politischer Konsum ein Gewinn für die partizipatorische Demokratie? Ersetzt, ergänzt oder befördert politischer Konsum andere Formen bürgerschaftlichen Engagements? Wie ist das Verhältnis zwischen sozialer Ungleichheit und politischem Konsum? Nutzt diese Beteiligungsform nur einer statusbewussten Mittelschicht? Kann es nur wohlhabenden MitbürgerInnen mit viel Freizeit gelingen, sich auf diese Weise zu engagieren? Wie effektiv und funktional ist politischer Konsum? Können mit Konsum überhaupt ökologische oder soziale Fortschritte erzielt werden? Stört oder befördert politischer Konsum bestehende oder mögliche reguläre Gesetzgebungsprozesse?

Referent: Dipl.Politologe Mundo Yang, wiss. Mitarbeiter Universität Siegen, Politikwissenschaft, yangmundo@yahoo.de


13. Die Gesellschaft im Seminar – Möglichkeiten des Umgangs mit Heterogenität in Bildungsprozessen

Gruppen sind unterschiedlich, Gruppen sind heterogen, Gruppen sind einzigartig. Diese Sicht teilen wir sicherlich alle, die in der Bildung tätig sind und genauso die daraus folgenden Schlüsse. Partizipation in der Bildung kann am besten funktionieren, wenn die Teilnehmenden dort abgeholt werden, wo sie stehen oder wo Bildung an Praxisfragen anknüpft. In diesem Workshop wollen wir den Blick unter die Oberfläche der Praxis richten. Neben den offensichtlichen Differenzen in Aussehen, Beruf, Tätigkeit oder politischem Kontext werden wir andere Diffrenzen auf ihre Praxisrelevanzen und Lernpotenziale untersuchen. Teilnehmende haben unterschiedliche Bildungsbiografien, einen ungleichen Erfahrungsschatz, einen unterschiedlichen sozialen Status, kommen aus unterschiedlichen Kulturen, bringen vielfältige Lerntechniken mit oder auch nicht, praktizieren unterschiedliche Lebensmodelle oder sind unterschiedlich von Diskriminierung betroffen. All dies ist in jeder Gruppe auch vorhanden. Für politische Bildung liegt hier ein großes Lernfeld – die Gesellschaft im Seminar – unabhängig vom politischen Thema der Veranstaltung. Wir wollen uns Methoden ansehen, Heterogenität sichtbar und bearbeitbar zu machen. Wir wollen diskutieren, für welche Zwecke sich die zeitliche Investition lohnt und wofür nicht. Und wir wollen am eigenen Selbstverständnis Politischer Bildung arbeiten. Mit: Koray Yilmaz-Günay, Referent für Migration der Rosa-Luxemburg-Stiftung, n.n., hoehner@rosalux.de


14. Islamkonferenz versus demokratisch gewählte Migrantenvertretungen – Potenziale und Risiken für die politische Beteiligung von MigrantInnen

Die Deutsche Islamkonferenz und die kommunalen Ausländerbeiräte bzw. Integrationsräte stellen zwei unterschiedliche institutionalisierte Beteiligungsformen dar, die beide das Ziel haben, zu einer stärkeren Einbeziehung von Migrantinnen und Migranten in die Politik beizutragen. Während es sich bei der Islamkonferenz um ein sogenanntes deliberatives Gremium handelt, in welchem staatliche Vertreter mit muslimischen, vom Innenministerium eingeladenen Repräsentanten in einen öffentlichen Diskurs treten, sind die Ausländer- bzw. Integrations(bei)räte demokratisch gewählte Gremien, in denen sich die Migranten vor allem auf kommunaler Ebene für ihre Interessen einsetzen.
Wir wollen über die Potenziale und Risiken beider Partizipationsformen diskutieren:

  • Inwieweit tragen die beiden Beteiligungsformen tatsächlich zur Einbeziehung von MigrantInnen bei?
  • Gehen mit diesen Partizipationsformen möglicherweise neue Ausschlüsse, zum Beispiel von Untergruppen, einher?
  • Wie ist es letztlich um die Möglichkeit politischer Einflussnahme bestellt?

Im Verlauf des Workshops möchten wir gemeinsam mit den TeilnehmerInnen Perspektiven und mögliche neue Wege im Hinblick auf die Beteiligung von MigrantInnen erarbeiten.

Referentinnen:
Christiane Bausch, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im SFB 600 „Fremdheit und Armut“ an der Universität Trier, Doktorarbeit zum Thema: „Inklusion durch politische Selbstvertretung? Die Repräsentationsleistung von Ausländer- und Integrations(bei)räten“
Masoumeh Bayat, Promovendin im Fach Politikwissenschaft an der Universität Siegen, Doktorabeit zum Thema: „Die politische und mediale Repräsentation der in Deutschland lebenden Muslime am Beispiel der Deutschen Islamkonferenz.“


15. Demokratie und Geld – kann Komplementärwährung helfen?

Die Eurokrise ist noch nicht am Ende angekommen. Die regionalen wirtschaftlichen Unterschiede in der EU sind immens. Auch in Deutschland steigt die Kluft zwischen Arm und Reich. Der Mangel an Geld wirkt sich aus als Ausschluss aus Solidargemeinschaften, von Kultur und Mobilität Um Grundbedürfnisse zu befriedigen und die lokale Wirtschaft zu stärken haben sich seit einiger Zeit Regionalwährungen einen Raum geschaffen. Jede Initiative definiert die eigenen Bedingungen für ihre Regionalwährung. Eine Vernetzung der Regionalgelder zur echten Komplementärwährung, wie sie von z.B. acampada gefordert wird, scheint zur Zeit nicht möglich. Daraus ergeben sich die Fragen wie:

  • welche Ziele sollen mit der Komplementärwährung erreicht werden.
  • welche Eigenschaften müsste eine haben,
  • wie müsste sie organisiert sei

Referenten:
Margarete Gallhoff, BürgerMitWirkung, langjähriges Mitglied des Netzwerk Bürgerhaushalt und Mitglied “Solidarische Ökonomie” in Leipzig und
Dirk Bokermann, selbständiger Unternehmensberater Leipzig.

 

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