Workshops 1 bis 5

Auf dieser Seite sind die Workshopvorschläge 1 bis 5 beschrieben. Wenn Sie Ihre Stimme für einen der Vorschläge abgeben möchten, gehen Sie bitte zur Abstimmungseite.

1. Sind wir in bester Verfassung? Wie sieht eine gute Demokratie aus?

Unzufrieden mit der Demokratie? Was kann die politische Bildung an den Schulen tun, wenn das Vertrauen in das Funktionieren der Demokratie schwindet? Die Lehrkunstdidaktik bietet Möglichkeiten für einen aktivierenden und motivierenden Politikunterricht.

Demokratie ist eine griechische Erfindung. Lehrkunstdidaktischer Politikunterricht wiederholt genetisch – exemplarisch – dramaturgisch den Vorgang dieser Erfindung im Klassenzimmer: Die Verfassungsdebatte von Herodot wird als Streit neu aufgelegt und danach mit Aristoteles das Konzept der gemischten Verfassung entwickelt. Wie gestaltet man die Institutionen des Staates so, dass sie gegen Missbrauch gesichert sind und sich alle sozialen Schichten in ihnen wiederfinden? Die Schülerinnen und Schüler beantworten diese Fragen mit eigenen Verfassungsentwürfen.

Während des workshops werden einerseits anregende Bespiele aus der Lehrkunstdidaktik dargestellt, andererseits sollen die Fragen und Ideen der Teilnehmer im Sinne einer Weiterentwicklung aufgenommen und diskutiert werden.

Horst Leps (Referent, Lehrbeauftragter Didaktik der Sozialwissenschaften Universität Hamburg)
Ulrich Krüger (Moderator, Fachleiter Sozialwissenschaften am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung Aachen, Vors. DVPB NRW)

http://leps.de/gwp/leps_gwp2_07.pdf
http://www.lehrkunst.ch/

2. „Von E-Participation zu Open Participation“

Die Qualität von Bürgerbeteiligung wird nicht (allein) über das Format entschieden. Die Qualität entscheidet sich am offenen Charakter aller handelnden Akteure. Was meint „offener Charakter“? Neben den schon in der Diskussion befindlichen Paradigmen von „Open Government“ als gedanklichem Überbau und „Open Data“ als transparenter Informationsverteilung gilt es auch für Beteiligung entsprechende Kriterien zu finden. Im Workshop werden erste Überlegungen für diesen Ansatz dargestellt und diskutiert. Mögliche Punkte sind:

  • Verwendung Offener Software / Open Source
  • Offenheit gegenüber den Bürgern / Transparenz
  • Offenheit gegenüber den (verwaltungs-)politischen Prozessen
  • Offenheit gegenüber Fehlern
  • Einbeziehung von Bürgern bei der Konzeption von Beteiligungsverfahren
  • Offener Umgang mit Informationen und Ergebnissen der Verfahren (Open Data)
  • E-Identität / Klarnamenzwang versus Offenheit gegenüber anonymer / pseudonymer Beteiligung

Referenten: Christian Heise, Initiative e-Demokratie.org und Sebastian Basedow, Zebralog GmbH & Co KG, Berlin

Über e-Demokratie.org: E-Demokratie.org versteht sich als Informationsplattform zum Thema elektronische Demokratie und Open Government sowie als Betreiber für politische Projekte im Internet. Näheres: www.e-demokratie.org

Über Zebralog: Die Zebralog GmbH & Co KG bietet Lösungen im Bereich elektronischer Bürgerbeteiligung (E-Partizipation) auf kommunaler, regionaler und nationaler Ebene an. Näheres: www.zebralog.de


3. Schülerinnen und Schüler als Wahlaufrufer – Übertragung eines politikwissenschaftlichen Feldexperiments in die Schule zur etwas anderen Teilhabe an Wahlen

Politische Wahlen wirken wie der Dinosaurier unter den Partizipationsformen. Alt, groß und im Begriff auszusterben. Dieses Aussterben wird bei jeder Wahl diagnostiziert und problematisiert an einer immer größeren Zahl von Menschen die sich entscheiden, nicht zur Wahl zu gehen. Unabhängig davon stellen Wahlen die zentrale Partizipationsform der repräsentativen Demokratie dar, von der die Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe 1 aber überwiegend ausgeschlossen sind. In dem Workshop werden wir ein Konzept vorstellen, in dem Schülerinnen und Schüler sich aus Forschungsperspektive im Rahmen eines Feldexperiments mit dem Nichtwahlverhalten in ihrer Nachbarschaft auseinander setzen. Die zentrale Frage lautet „Lässt sich die Wahlbeteiligung in unserer Nachbarschaft erhöhen?“ Im Rahmen dieses Experiments sollen die Schülerinnen und Schüler erproben, die soziale Wirklichkeit zu beeinflussen und die Wirksamkeit ihrer Intervention im Anschluss mit Hilfe der amtlichen Wahlstatistik analysieren bzw. abschätzen. Neben dem Experiment wird in dem Workshop die Einbettung in den Unterricht skizziert.

Der Ablauf des Workshops soll wie folgt aussehen: In einem Referat wird das Vorhaben und seine Einbettung dargestellt. In einer Arbeitsphase sollen Ideen für Aktionen ausgetauscht werden. Im Anschluss soll das Konzept mit allen Teilnehmenden kritisch diskutiert werden und daran die Fruchtbarkeit von Experimenten in der politischen Bildung beleuchtet werden.

Referenten: Oliver Krebs und Andrea Szukala (Universität Bielefeld)


4. „Partizipations- und kompetenzorientierte Lehr- und Lernkultur im Hochschulbereich“

Als hochschul- bzw. seminardidaktisches Prinzip ernst genommen, stellt Partizipation politische Bildung vor eine Reihe neuer Herausforderungen, die wir aufgrund unserer bisherigen Praxiserfahrungen genauer beleuchten können: Studentische Partizipation ist ein Alleinstellungsmerkmal eines Projektes an der Goethe-Universität Frankfurt, in dessen Zentrum insbesondere Lehrveranstaltungen für Studierende des Faches Politik und Wirtschaft stehen. Darüber hinaus sind alle grundwissenschaftliche Lehramts- sowie Studierenden der Sozialwissenschaften im Blick auf politische Bildung angesprochen.

Wir legen dabei ein Verständnis von Partizipation zugrunde, das über die (übliche) aktive Teilnahme hinaus auf eine aktive Gestaltung des gesamten Seminarprozesses zielt. Soll diesem normativen Anspruch praktische Geltung verliehen werden, dann gilt es, didaktische Phantasie und Möglichkeiten zu entwickeln, aber auch Hürden und Grenzen auszuloten, die zum einen durch den institutionellen Rahmen gesetzt sind, zum anderen aber auch im Spannungsverhältnis von Partizipation und Kompetenz, d. h. im Vermittlungsprozess zwischen Inhalt/Gegenstand, Akteur_innen (Lehrenden/Studierenden) und Methoden selbst enthalten sind.

Anhand bisher entwickelter und erprobter Seminarkonzeptionen und -formate, Evaluations-materialien und Fotos soll der notwendigerweise experimentelle Charakter deutlich werden, gleichzeitig verstehen wir den Workshop selbst als weiteres Experimentierfeld partizipations-didaktischer Möglichkeiten.

Referentinnen: Margit Rodrian-Pfennig & Dr. Sandra Reitz (beide Goethe-Universität Frankfurt)


5. Partizipation by Smartphone?

In diesem Workshop werden unterrichtspraktische Methoden und Erfahrungen vorgestellt und diskutiert, die sich mit sozialen Herausforderungen und Konflikten auseinandersetzen, wie sie im lokalen Umfeld der Schulen zu finden sind. Gezeigt werden soll, wie das Interesse Jugendlicher an Informationstechnologie ihnen Wege zu politischem Engagement eröffnen kann.

Zunächst soll veranschaulicht werden, wie Schüler soziale Netzwerke (zum Beispiel Facebook oder Twitter) dafür nutzen können, sich einen Einblick über Trends und Aktionen zu verschaffen („Monitoring“). In einem weiteren Schritt geht es dann darum, einen eigenen Blog einzurichten und selbst zu gestalten, für seine Anliegen zu werben und Unterstützer zu gewinnen. Dazu gehört auch, die Wirksamkeit der eigenen Aktivitäten zu bewerten, indem die Reaktionen der Nutzer des Netzwerks analysiert werden.

Hierbei kann deutlich werden, welche Chancen der Einsatz von Informationstechnologie in der politischen Bildung bietet, aber auch welche Beschränkungen es hierbei gibt. Denn Aktionen gegen Extremismus können – zumal im Internet – gerade auch von jenen, gegen die sie sich richten, als Forum vermeintlich offener Diskussion missbraucht werden.

Deshalb soll – neben den Anwendertechniken – auch thematisiert werden, wie Jugendlichen bewusst werden kann, dass das Eintreten für demokratische Werte auch beinhaltet, sich gezielt von extremistischen Einstellungen abzugrenzen.

Alexander Ohgke, Seminarrektor, Staatliche Realschule Krumbach

Nicole Thiemann, Studienrätin, Staatliche Realschule Marktheidenfeld

 

 

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